WAZ: „Erstes Hospiz im EN-Kreis eröffnet“

Witten.  Wittens erstes Hospiz ist eröffnet. Über 500 Menschen kamen am Freitagnachmittag zur Einweihung des hellen, freundlich gestalteten Gebäudes.

Nach rund einjähriger Bauzeit haben am Freitag über 500 geladene Besucher und interessierte Bürger die Eröffnung des St.-Elisabeth-Hospizes an der Hauptstraße gefeiert.

Das erste Hospiz des Kreises wurde von einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer gesegnet. Dann besichtigten die Gäste die neuen Räume auf dem 1200 Quadratmeter großen Gelände mitten in der Stadt. Das 4,5 Millionen Euro teure Gebäude bietet zehn Menschen Platz, die in der letzten Phase ihres Lebens begleitet werden. Am Montag bezieht der erste Bewohner sein Zimmer.

Im Regal ist Platz für die Fotos der Lieben

Das Bett steht im Mittelpunkt eines jeden „Gastzimmers“ – so heißen die Räume im neuen Hospiz. Gleich daneben: ein gemütlicher Stuhl, mal apfelgrün, mal weinrot. Im Regal ist Platz für die Fotos der Lieben. „Das ist ja hier richtig modern und gar nicht wie in einem Krankenhaus“, sagt Samantha überrascht. Die 22-Jährige ist mit einer Gruppe aus dem Jugendcafé der Werkstadt zur Eröffnung gekommen. Die jungen Leute wollten gucken, wie so ein Ort zum Sterben von innen aussieht.

„Das ist aber hell und freundlich“, sagen viele, die das Gebäude auf dem ehemaligen Gelände des Pfarrzentrums von St. Marien an der Hauptstraße erstmals betreten – obwohl die Besucher die Räume an diesem Freitagnachmittag zunächst vor lauter Menschen gar nicht richtig zu Gesicht bekommen. Das Interesse an Wittens erstem Hospiz ist riesig. Erst als die Ansprachen, Dankesreden und die Segnung vorbei sind, verläuft sich die Schar ein wenig. Viele genießen draußen auf dem Gelände rund ums Haus oder im Innenhof die Sonne und Bratwurst vom Grill.

„Ich musste das einfach sehen“, sagt Doris Lipinski (76), die mit ihrem Mann Hans (84) gerade in einem der Gastzimmer steht und das große Bad bestaunt. In ihrem Alter müsse man sich doch mit Tod und Sterben auseinandersetzen. „Es ist ganz normal, dass das auf uns zukommt. Und ich möchte meiner Familie dann nicht zur Last fallen.“ Auch ihre Mutter habe das nicht gewollt, sagt Doris Lipinski, „sie ist mit 95 Jahren allein gestorben, im Seniorenzentrum auf der Egge“. Die Wittenerin bedauert, nicht dabei gewesen zu sein.

Diese Möglichkeiten haben Angehörige jener Schwerkranken, die ihre letzte Lebensphase im Hospiz verbringen. Winzig ist der Raum gleich neben jedem Gastzimmer. Er bietet gerade genug Platz für ein Bett, aber – wenn gewünscht – eben auch die unmittelbare Nähe zum Sterbenden.

„Unser Hospiz ist ein Ort, an dem sich die Menschen einander zuwenden, aber auch zurückziehen können“, hatte Heike Großheimann in ihrer Eröffnungsrede gesagt. Die 54-Jährige leitet das Haus. Es soll jenen, die darin Zeit verbringen, „Schutz, Sicherheit, Wärme und Orientierung“ bieten. „Immer mit der größten Achtung vor der Würde des Menschen“, wie Großheimann betont.

Das Datum der Einweihung trifft auf einen denkwürdigen Jahrestag. Vor genau 50 Jahren wurde das erste neuzeitliche Hospiz in London eröffnet, weiß Theo Freitag, Geschäftsführer der St.-Elisabeth-Gruppe, dem Träger des neuen Hauses. Seit fast genau zehn Jahren gibt es das Lukas-Hospiz in Herne – das erste der Gruppe und Vorbild für Witten. „Wir glauben, dass wir als Träger von fünf Krankenhäusern nicht nur die Verantwortung für die medizinische Versorgung tragen, sondern auch für die Zuwendung am Lebensende.“ So begründet Theo Freitag die Entscheidung, ein zweites Hospiz zu bauen.

Auch von Sterbehilfe, in Deutschland heiß diskutiert, ist in den Ansprachen die Rede. „Der Wunsch danach ist oft ein Ruf nach mehr Zuwendung“, sagt Freitag weiter. Dass die Menschen nicht durch unsere Hand, sondern an unserer Hand sterben – das sei Sinn eines solchen Hauses, formuliert es Prof. Wolfgang Hatzmann vom Förderverein „Ein Hospiz für Witten“. Gerade mal 234 Hospize gebe es in Deutschland, 66 in NRW.

Das Wittener Hospiz liegt ganz zentral in der Stadt. Autos brausen vorbei. Alle paar Minuten hält die Straßenbahn vor der Tür. Wie hatte es Geschäftsführer Theo Freitag formuliert: „Sterben findet zu jeder Zeit mitten im Leben statt.“

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